LIEBE IM SCHATTEN DER PYRAMIDEN Elisabeth Amodi
LIEBE IM SCHATTEN DER PYRAMIDEN  Elisabeth                     Amodi

Über mich

 

Als ich mein  Studium an der Karl Franzens Universität in Graz begann, war ich gerade einmal 19 Jahre alt, ein schüchternes, naives Mädchen, das  nach der Strenge des bürgerlichen Elternhauses die ersten Schritte in die Freiheit versuchte..              

Dort lief ich geradewegs meinem Schicksal in die Arme, einem ägyptischen Studenten in den ich mich unsterblich verliebte.

Obwohl meine Eltern vehement degegen waren, haben wir noch während unserer Studienzeit geheiratet und Kinder bekommen.

Die Ehe war glücklich, die Urlaube in Ägypten herrlich und mit der Familie meines Mannes verstand ich mich bestens, sodass wir  nach Beendigung des Studiums ganz nach Ägypten zogen.

Zur Freude seiner Familie  lernte ich die arabische Sprache sehr schnell und hatte keine Probleme mich einzuleben.                                                                                                                                                                                                   

Schon seit meiner Kindheit war ich ein großer  Ägypten-Fan und die Idee nach Ägypten zu ziehen kam  von mir, denn ich fand das Land und seine Geschichte einfach faszinierend  ( woran sich bis heute nichts geändert hat ), die Leute gastfreundlich und hilfsbereit. Ich mochte meine neue Familie und ich hatte auch noch das Glück das Land  zu einer Zeit kennenzulernen in der der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckte und Kairo noch nicht solch ein Moloch mit tobendem Verkehr und verschmutzter Luft war wie heute. Die Touristen- Hochburg Hurghada war damals noch nichts als ein kleines Fischerdorf.

 

Doch  ich erkannte schnell, dass zwischen "Urlaub in Ägypten in den Sommerferien" und   "Leben in Ägypten als Frau eines Ägypters"  Welten lagen.

Alles sieht anders aus wenn du zur Gesellschaft dazu gehörst und nicht mehr der Gast aus Europa bist  der nach ein paar Wochen wieder geht.

Dazu kamen  noch Arbeit , Schule und  und jede Menge Dinge die in Europa absolut kein Problem gewesen waren nun aber hier immer mehr zu einem wurden. (zum Beispiel die  Kindererziehung  )

Ich passte mich so weit es mir möglich war an die Gegebenheiten an, was mir meine ägyptische Familie hoch anrechnete, aber es gab auch Dinge die  einfach nicht akzeptabel waren. Da lernte ich nun die Ägypter von einer ganz anderen Seite kennen und begann bald die Heuchelei und Verlogenheit dieser Gesellschaft zu durchschauen, in der unter dem Deckmäntelchen der Wohlanständigkeit einfach alles lief, Hauptsache es wußte keiner oder es taten zumindest alle so als ob sie es nicht wüßten. Unmoralisch waren natürlich nur die Ausländer.

Auch mein Mann veränderte sich, was mir große Sorge bereitete, denn er war nur  noch mit Freunden unterwegs und ließ auch noch zu dass jeder sich in unsere Privatangelegenheiten einzumischen versuchte. PLötzlich war nur noch deren Meinung wichtig, sie standen bei ihm an erster Stelle. Wir interessierten ihn nur noch am Rande.

So hatte ich mir unser Leben in Äypten nicht vorgestellt.

 

Ich versuchte alles diese Entwicklung aufzuhalten, doch es gelang mir nicht so sehr ich mich auch bemühte und so war das Ende abzusehen.Dagegen hatte selbst die Liebe keine Chance.

Es gibt eben Umstände denen auch die größte Liebe nicht standhalten kann.

 

Daher sollte es sich jede Frau reiflich überlegen bevor sie sich auf ein solches  Abenteur einläßt.

 

Dass das Zusammenleben so schwierig ist liegt wohl vor allem an der Art wie Söhne in diesem Land erzogen werden.

Kaum den Windeln entwachsen wird ihnen bereits eingebläut dass sie "Männer" sind.

Das wäre lächerlich wenn es nicht so traurig wäre und ist in allen Bevölkerungsschichten dasselbe.

Noch dazu ist die Erziehung der Kinder alles andere als gewaltfrei, da wird schon mal ordentlich hingelangt, oder auch Gürtel  oder Schlauch benutzt. Mischt man sich ein heisst es gewöhnlich:"was willst du eigentlich? Das ist mein Kind, mit dem kann ich machen was ich will!"

 

Grundsätzlich dürfen Jungen so gut  wie alles, Mädchen nichts. Prügeln sie sich wird nicht eingeschritten und geschlichtet sondern angefeuert, denn das ist ja männlich. 

Im übrigen sehen sie ja bei Papa wie man es macht dass die Frauen "spuren" .................................................................................................................................................................

Den unbefangenen Umang mit dem anderen Geschlecht lernen nur die wenigen  deren Eltern es sich leisten können sie in die teure deutsche oder amerikanische  Schule zu schicken., wobei diese gemischten Schulen von vielen Ägyptern ohnehin  als Sodom und Gomorrha betrachtet werden.

 

So werden dann aus netten kleinen Jungen irgendwann "richtige ägyptische Männer" die glauben dass allein die Tatsache als Mann geboren zu sein genügt um über den Frauen zu stehen, die ohnehin nur dazu da sind sie zu bedienen, zu gehorchen und jederzeit ihren Wünschen  zur Verfügung zu stehen.

Leider ist dieses Männerbild auch in den Köpfen der ägyptischen Frauen verankert.

Das heißt, dass ein Mann der anders ist  ( es gibt ja immer Ausnahmen von der Regel) gar nicht wirklich respektiert wird, weil er diesem Bild nicht entspricht. Das bestärkt wiederum die anderen in der Annahme dass sie alles richtig machen.

Ausserdem spielt der Gruppenzwang eine große Rolle und die Meinung der "anderen Leute" (Verwandte, Bekannte, Freunde usw.) ist in Äypten sehr wichtig.

Es kommt nur äußerst selten vor dass es jemand schafft sich darüber hinwegzusetzen.

Vor allem der Familie kommt eine viel größere Bedeutung zu als bei uns und ihre Macht ist viel größer als man sich das hier vorstellen kann.

 

Besonders die Schwiegermutter sollte man niemals unterschätzen, erst recht  nicht als Frau. denn ein ägyptisches Sprichwort sagt: "Die Schwiegermutter liebt immer nur den Mann der Tochter (vorausgesetzt dass auch die Kasse stimmt) aber niemals die Frau des Sohnes.

Ich habe schon Schwiegermütter erlebt die mit der Familie in einem meiner Geschäfte einkauften, da hatten weder Sohn noch Schwiegertochter etwas dazu zu sagen. Sie bestimmte was die Schwiegertochter anziehen durfte, Einspruch war nicht gestattet. Wer zahlt, befiehlt. Das junge Paar tat mir leid und ich war froh als alle wieder draussen waren, denn lange hätte ich es nicht mehr ausgehalten ohne etwas dazu zu  sagen.

Auch nervige Ehemänner oder Väter machten uns soft das Leben schwer, die an allem was sich die Ehefrau  oder Tochter aussuchte etwas auszusetzen hatten: transparente Ärmel? die müssen gefüttert werden! Denen war selbst das kleinste Decolleté noch zu groß, das loseste Kleid zu eng, das längste  zu kurz. Sie zahlten, daher bestimmten alleine sie was gekauft wurde und zwar auf eine so uncharmante Art, dass es mir manchmal schwer fiel eine sarkastische Bemerkung zu unterdrücken. Dabei waren meine Modelle ohnehin fast alle sehr dezent. Zum Glück waren diese Kunden aber in der Minderzahl.

Da waren mir doch die anderen lieber denen es nicht eng, decolletiert und auffallend genug sein konnte.

Das waren allerdings die, die ein eigenes Auto hatten oder einen Chauffeur, denn auf der Straße sah man die natürlich nicht, sonder  man blieb in vornehmen Clubs ,Discos usw. unter sich.

In Ägypten bleibt normalerweise jede  Schicht für sich. Darum trifft man dann auch in den teuren Hotel Discos, im Gezirah Sport Club oder im Phalestine Hotel in ALexandria immer wieder dieselben Leute.

Es besteht eine große Kluft zwischen  "upper class"  und dem Volk, was aber nicht nur mit Geld zu tun hat sondern mit Familienzugehörigkeit, Erziehung, Beziehungen, Bildung usw.Darum sind in diesen Kreisen auch alle irgendwie über viele Ecken miteinander verwandt. So kann man, wenn man da Bescheid weiss, oft am Namen erkennen wechen Hintergrund jemand hat.

 

Auch  Klatsch und Tratsch verbreiten sich sehr schnell.

Überhaupt, möchtest Du dass ganz Kairo etwas weiß? Dann erzähle dein Geheimnis einem Ägypter (in) unter dem Siegel der Verschwiegenheit. Du kannst sicher sein, am nächsten Tag wird es die ganze Stadt wissen!

 

 Eine der wichtigsten Voraussetzungen um in einer ägyptischen Familie zu überleben ist die Sprache zu lernen! Nicht Hocharabisch an der Uni, sondern  dem "Volk aufs Maul schauen" wie schon Luther sagte.

Es gibt nämlich viele Ausdrücke und Redewendungen die kann man gar nicht richtig übersetzen, weil es oft gar kein deutsches Wort dafür gibt, die kann man nur in der gegebenen Situation verstehen.

Wenn man die Sprache nicht kann gehen viele Informationen an einem vorbei und es ist ausserdem frustrierend wenn man nicht  weiss worüber gesprochen wird. Ohne die Sprache wird man nie richtig dazugehören.

Ich habe auch oft die interessantesten und aufschlußreichsten Informationen dadurch bekommen dass ich nicht so aussehe als könnte ich auch nur ein Wort arabisch verstehen und sich deshalb Leute ganz ungeniert vor mir ( oft sogar über mich) unerhalten haben. Manchmal auch darüber wie sie mich jetzt  gleich übers Ohr hauen wollen.

Auch wenigstens eine bisschen lesen zu können ist von Vorteil. (Preisschildchen, Strassennamen etc.)

Wenn ich den Preis lesen kann der auf der Keksdose steht und der Verkäufer mir den doppelten sagt, dann weiss ich schon mal wie ich dran bin. Wie sie reagieren wenn sie sich ertappt sehen ist besonders erheiternd. Nicht etwa eine Entschuldigung sondern meist der frustrierte Ausruf: "wieso können Sie das lesen?!"

 

 


 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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